Im vergangenen Schuljahr waren die damaligen Klassen G09c und G09d auf Studienfahrt in Berlin. Ein Besuch des Deutschen Bundestags gehörte selbstverständlich zum Programm – nur mit einem persönlichen Treffen mit dem Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner (SPD) hatte es damals leider nicht geklappt. Nun wurde die Begegnung nachgeholt: Fechner besuchte die inzwischen in der zehnten Klasse angekommenen Schüler direkt an der St. Landolin Schule.
Im Gemeinschaftskundeunterricht bei Carolin Bachmann und Jakob Katzmann hatten sich die Klassen intensiv auf den Besuch vorbereitet. Im Mittelpunkt stand ein ausführliches Gespräch mit dem Abgeordneten, das von einem vierköpfigen Team von Schülerinnen moderiert wurde. Dabei ging es zunächst um Fechners persönlichen Weg in die Politik und die Frage, wie der Alltag eines Bundestagsabgeordneten eigentlich aussieht.
Schnell führte das Gespräch aber auch mitten hinein in aktuelle politische Debatten. Als Fachpolitiker für Rechtspolitik berichtete Fechner von seiner Arbeit im Bundestag und beantwortete zugleich zahlreiche Fragen zu sozialpolitischen Themen. Die Schüler interessierten sich unter anderem für seine Positionen zur Bürgerversicherung, zum Mindestlohn und zum Bürgergeld.
Auch kritische Fragen wurden nicht ausgespart. Zur Sprache kamen die Unzufriedenheit vieler Bürger mit der Arbeit der Regierung, schlechte Wahlergebnisse der großen Parteien sowie die jüngsten Erfolge der AfD. Fechner zeigte Verständnis dafür, dass Bürger von einer Regierung konkrete Reformen und sichtbare politische Ergebnisse erwarten. Gleichzeitig machte er deutlich, wie anspruchsvoll es sein kann, für komplexe gesellschaftliche Probleme Lösungen zu entwickeln und politische Mehrheiten dafür zu organisieren – gerade in Zeiten zunehmenden Populismus.
Dabei erlebten die Schüler einen Politiker, der mit großer Leidenschaft an politischen Fragen arbeitet, auch wenn Lösungen nicht immer von heute auf morgen möglich sind. Besonders eindrücklich war deshalb sein Appell an die Jugendlichen: Es lohnt sich, sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen und sich selbst etwas zuzutrauen.
Dass Politik dabei weit mehr ist als Debatten im Plenarsaal, zeigten viele persönliche Einblicke: von der Kabine des FC Bundestag über den Alltag zwischen Südbaden und Berlin bis hin zu Gesprächen innerhalb der Regierungskoalition. So entstand ein authentisches Bild davon, wie politische Arbeit ganz konkret aussieht.
Für die G10c und G10d war der Besuch damit eine besondere Gemeinschaftskundestunde: Politik wurde nicht nur aus dem Schulbuch behandelt, sondern im direkten Gespräch mit einem Bundestagsabgeordneten diskutiert. Ein gelungenes Bildungserlebnis, das den Schüler viele Einblicke bot – und vielleicht auch den einen oder die andere ermutigt hat, sich künftig selbst politisch einzubringen.
Jakob Katzmann




