Eine besondere Deutsch-Doppelstunde erlebten die Klassen G9c und G9d in dieser Woche: Im Rahmen eines Kooperationsprojekts tauschten sich die Schülerinnen und Schüler über zwei der bekanntesten Bühnenstücke Friedrich Dürrenmatts aus. Während die G9c zuvor „Die Physiker“ erarbeitet hatte, stand bei der G9d die tragikomische Parabel „Der Besuch der alten Dame“ im Mittelpunkt.
Auf den ersten Blick wirken die beiden Werke sehr unterschiedlich: In „Die Physiker“ geht es um wissenschaftliche Verantwortung, Identität und Wahnsinn, während „Der Besuch der alten Dame“ die moralische Käuflichkeit einer ganzen Stadt ins Zentrum stellt. Schnell wurde im Austausch jedoch deutlich, dass beide Stücke typische dürrenmattsche Elemente teilen – etwa die Verbindung von Tragik und Komik, zugespitzte Figurenkonstellationen und die schonungslose Darstellung menschlicher Abgründe.
Zur Vorbereitung hatten die Klassen in Kleingruppen verschiedene thematische Aspekte erarbeitet. In der gemeinsamen Doppelstunde präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse in kurzen, anschaulichen Vorträgen und erhielten gleichzeitig Einblick in die Arbeitsweise der Parallelklasse. Besonders lebendig wurde der Austausch durch kleine Spielszenen und eindrucksvolle Standbilder, die zentrale Momente der Dramen kreativ veranschaulichten.
So entstand ein kleines „Dürrenmatt-Best-of“:
Die G9c zeigte, wie die drei Physiker im gleichnamigen Stück zwischen Verantwortung und Wahnsinn hin- und hergerissen sind und wie das Drama die Frage nach den Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis aufwirft.
Die G9d machte deutlich, wie die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Güllen in „Der Besuch der alten Dame“ durch das Angebot einer Milliardärin moralisch herausgefordert – und letztlich korrumpiert – werden.
Den Abschluss bildete eine angeregte Diskussion: Welches Stück eignet sich besonders für zukünftige neunte Klassen?
Die Meinungen gingen auseinander – doch gerade dieser Austausch zeigte, wie aktuell, vielseitig und diskussionswürdig Dürrenmatts Werke bis heute sind.
Eine etwas andere Deutschstunde, die nicht nur Wissen vertiefte, sondern auch den Blick über den eigenen Klassenraum hinaus öffnete und den literarischen Horizont erweiterte.
Text & Fotos: Kathrin Eisen






